Rütteltest, Stolpersteine, Fallstricke und Fragen zur Selbsterkenntnis?

Eine gute Grund­lage für den Start verschaffen, das wollten alle, die sich gemeinsam mit dem Dozenten Dipl.-Kfm. Peter Neuwald vom Institut Gründungsoffensive.de (iNGO) zwei Tage zum Seminar „Grund­lagenwissen für Existenz­gründer“ im Gewächs­haus trafen. Mit dabei waren unter anderem ein Ingenieur, der nach seinem Studium und diversen Hochschultätigkeiten keine ansprechenden Jobangebote auf seine Bewerbungen erhalten hatte und nun als Freiberufler im Fachgebiet der Messtechnik durchstarten will, ein Personalmanager, der sich im Bereich der Personalberatung und –vermittlung selbstständig machen möchte sowie zwei erfahrene Vertriebsmanager. Einer davon möchte künftig Unter­nehmen seine fotografischen Kenntnisse im Bereich der bewegten Bilder und Fotos für einen gelungenen Auftritt im Internet anbieten, während sich der Zweite darauf konzentriert ausländischen Firmen einen guten Einstieg in den deutschen Markt zu verschaffen. Auch zwei Frauen, zufälligerweise beide kurz vor der Übernahme eines Blumengeschäftes in Viersen stehend, trafen sich im Gewächs­haus.

Mit Ratio an der Idee rütteln

Ziel war es, den Teilnehmern eine rationale Entscheidungsgrundlage zu verschaffen und ihnen alle Risiken und Chancen bewusst zu machen. Damit dies gelingt, wurde der Inhalt explizit an die Bedürf­nisse der Gründungsinteressenten angepasst. Neben grundlegenden Infor­mationen rund um das Thema Selbständigkeit wie Voraussetzungen und Fördermittel gab es zahlreiche praxiserprobte Tipps zum richtigen Vorgehen. Zu Beginn stellten die Anwesenden ihre geplanten Ideen untereinander vor. Für Peter Neuwald ist dieser „Rütteltest“ ein erster Hinweis, aus welcher Motivation heraus der Gründer agiert. „Ich beobachte, dass Gründer gerade in unserem "Rütteltest" sehr wohl selbst erkennen, wenn sie sich meinen und den Fragen der anderen Teilnehmern stellen müssen, ob sie die richtigen Voraussetzungen mitbringen. Hierbei zeigt sich, wie "ausgegoren" ihre Ideen sind und wie sie sich im Vergleich zu den anderen darstellen.“ Denn, so Neuwald, der nicht nur als Dozent arbeitet, sondern als Exis­tenz­grün­dungsberater etliche Menschen im Vorgründungsbereich bei der Erarbeitung ihrer Businesspläne sowie in der ersten Marktfestigungsphase coacht, weiter: „Wer nur aus der Not heraus agiert oder den Blick auf die Fördergelder wirft, der wird es schwer haben mit all den Niederlagen und Schwierig­keiten am Anfang produktiv umzugehen.“

GmbH, Freiberufler oder Kleinunternehmer: In Viersen waren alle dabei

Einen besonderen individuellen Schwerpunkt in Viersen bildeten die verschiedenen Gründungs- und Rechtsformen. Da in zwei Fällen eine konkrete Unter­nehmensnachfolge geplant war, wurde besonderes Augenmerk auf "Stolpersteine" im Rahmen einer Unter­nehmensübernahme gelegt. „Während der Unter­nehmensübergeber oftmals in einer Preisverhandlung seinen Blick in die Vergangenheit richtet, interessiert den Käufer natürlich vorwiegend die Zukunftsfähigkeit des Unter­nehmens. Wenn die Firma aufgrund vernachlässigter Innovationen und einer unzureichenden Außendarstellung über ein schlechtes Bankenrating verfügt, kann sich dies auch insbesondere negativ auf die Bankverhandlungen über einen Gründerkredit auswirken. Auch können "Leichen im Keller" des übergebenden Unter­nehmens dem Gründer das Leben später schwer machen“, benennt Neuwald zwei der Steine die Unter­nehmer ins Stolpern bringen. Auch der Unterschied zwischen Gewerbetreibendem, Kleinunternehmer und Freiberufler sowie die Gefahren einer Scheinselbstständigkeit wurden ausführlich und im persönlichen Bezug zu den Gründern erläutert.

Das Geheimnis des Erfolges: vor allem auch Kontakte

Für kleine noch unbekannte Unter­nehmen ist der Aufbau von Netzwerken ein Muss, darin sind sich alle, die mit Existenz­gründern arbeiten einig. Deshalb setzt Neuwald in seinen Seminaren immer darauf, dass sich die angehenden Selbstständigen untereinander gut kennen­lernen können, und vermittelt ihnen weiterreichende Kontakte, die sie langfristig voranbringen. In Viersen bereicherte der Inhaber von Schlossprofi Pitz, der selbst ein Grund­lagenseminar als Teilnehmer absolvierte, mit einem authentischen Bericht über seinen Weg in die Selbstständigkeit das Seminar. Individuell, konstruktiv und nah am wirklichen Leben, in dieser kurzen Dreifaltigkeit beurteilte die Teilnehmer am Ende des zweiten Tages das Seminar. Auch Monika Freund von der Wirt­schafts­för­derung zeigte sich zufrieden mit dieser Resonanz: „Gerade die individuelle Herangehensweise des Dozenten sorgt dafür, dass die Teilnehmer mit einem überschaubaren Zeiteinsatz ein Maximum an Wissen und Unterstützung erhalten haben.“ Nach Abschluss des Existenz­gründerseminars erhielten alle ein Teilnahmezertifikat. Damit können sie nun dokumentieren, dass sie sich ernsthaft mit dem Thema Selbstständigkeit auseinandergesetzt haben und sich den Weg zu Fördermitteln wie z. B. dem Gründerzuschuss der Arbeitsagentur oder dem Einstiegsgeld des Jobcenters erleichtern. Auch Banken legen Wert darauf, dass Existenz­gründer sich vor der Beantragung von Förderkrediten oder Exis­tenz­grün­dungsdarlehen sorgfältig vorbereiten.

Vier Fragen an Peter Neuwald

Wer andere berät, sollte selber Erfahrungen mitbringen. Was haben Sie gemacht, bevor Sie Existenz­gründerberater wurden?

Ich habe Betriebswirtschaft studiert und danach in einigen Einrichtungen des Gesundheitswesens im Controlling und später als Verwaltungsleiter gearbeitet. Als ich mich selbständig machte, fing ich sozusagen als "Wald-und-Wiesen-Unter­nehmensberater" mit vielen Illusionen und falschen Vorstellungen an. Durch einen "Zufall" bin ich damals an ein Institut gekommen, dass Gründungsseminare anbot. Zum einen erkannte ich, dass die Arbeit mit Existenz­gründern und jungen Unter­nehmen mir riesigen Spaß machte, weil mich mit ihnen (als Jung­unter­nehmer) das gleiche "Schicksal" verband und es wohl eine Art Berufung für mich war. Zum anderen stellte ich im Laufe der Zeit fest, dass ich andere, eigene Vorstellungen davon hatte, wie ich diese Seminare abhalten wollte. So gründete ich nach einer Zeit als Subunternehmer mit einem Kollegen das Institut-Gründungsoffensive.de. Ich glaube man kann Gründer nur wirklich verstehen und da abholen, wo sie sind, wenn man mit ihnen auf Augenhöhe ist, d. h. genau ihren Weg auch persönlich durchlebt hat.

Gründet es sich leichter nach einer Seminarteilnahme?

Vor der Gründung können noch wichtige "Weichen“ gestellt werden. Beispielsweise entscheidet sich anhand ihrer Umsatzplanung für das Finanzamt, ob sie Umsatzsteuer ausweisen und abführen müssen oder nicht. 19 Prozent vom Umsatz abzuführen oder behalten zu dürfen, kann zum Gründungsstart schon einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellen. Es gilt in dieser Phase sehr viel zu beachten und besonders gefährlich ist es, wenn der Gründer sich in vermeintlicher Sicherheit wiegt und erst zu spät feststellt, dass er wesentliche Dinge nicht beachtet hat. Aus diesen Gründen verlangen etliche Arbeitsagenturen vor Antragstellung auf Gründungszuschuss die Teilnahme an einem derartigen Seminar und auch die Gründer selbst erkennen die Wichtigkeit eines reflektierten "Leitfadens". Und selbst wenn der Gründer insbesondere durch das Feedback und den eigenen Vergleich mit Anderen erkannt haben sollte, dass Selbständigkeit (noch) nichts für ihn ist, hat sich der Einsatz gelohnt, weil er ihm viel Ärger, Kosten und Frustration erspart hat.

Was ist denn die größte Stolperfalle auf diesem Weg?

Die Größte ist der Gründer selbst. Deshalb haben wir in unser Seminar auch diesen Unter­nehmer-Selbsttest integriert, wo sehr kritische Fragen beantwortet werden müssen. Dies fördert die Sensibilität zu erkennen, ob man wirklich der "geborene Unter­nehmer" ist. Diese Selbsterkenntnis ist ein wesentlicher Schritt im Prozess der eigenen Ent­wick­lung. Ich habe gute Konzepte scheitern sehen, weil der Gründer es nicht "rübergebracht" hat. Ich habe aber auch erlebt, dass 0-8-15-Ideen von Gründern erfolgreich sein können, wenn diese mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Einsatz förmlich aufblühen.

Und was bringt Gründer gut voran?

Wer sich auf einen unbekannten Weg begibt und dennoch sein Ziel erreichen will sollte einen Kompass dabei haben, der ihm die Richtung weist. Als diesen verstehe ich meine oder andere gute Grund­lagenseminare. Ansonsten sind aus meiner Sicht gute Kontakte und kompetente Wegbegleiter sehr hilfreich.