Unter­nehmensnachfolge ist auch Gründung – nur anders

Eine Gründung beginnt nicht immer mit einer komplett neuen Geschäftsidee. Auch die Übernahme eines bestehenden Unter­nehmens kann der Start in die eigene unternehmerische Tätigkeit sein, mit anderen Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen als bei einer klassischen Neugründung.

In den kommenden Jahren dürfte das Thema deutlich an Bedeutung gewinnen. Laut dem aktuellen Nachfolge-Monitoring Mittelstand von KfW Research suchen bis Ende 2029 jährlich rund 109.000 mittelständische Unter­nehmen nach einer Nachfolgelösung. Gleichzeitig erreicht ein wachsender Teil der Unter­nehmensverantwortlichen ein Alter, in dem die Übergabe oder der Rückzug aus dem Unter­nehmen konkret wird.

Viele Unter­nehmen suchen geeignete Nachfolgende

Die größte Herausforderung besteht häufig darin, beide Seiten zusammenzubringen. Der DIHK-Unter­nehmensnachfolge-Report 2025 verdeutlicht diese Lücke: Im Jahr 2024 ließen sich fast 10.000 abgabewillige Unter­nehmen von den Industrie- und Handelskammern beraten. Ihnen standen lediglich rund 4.000 Übernahmeinteressierte gegenüber.

Bleibt eine geeignete Nachfolge aus, kann dies langfristig zur Aufgabe eines grundsätzlich funktionierenden Unter­nehmens führen. Damit können nicht nur etablierte Geschäftsmodelle und gewachsenes Know-how verloren gehen, sondern auch Arbeitsplätze, Kundenbeziehungen und wirt­schaft­liche Strukturen.

Nicht bei null anfangen

Für Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit erwägen, kann eine Unter­nehmensnachfolge deshalb eine inte­ressante Option sein. Je nach Betrieb sind bereits Kundschaft, Mitarbeitende, Marktkenntnis, Prozesse und Umsätze vorhanden. Anders als bei einer vollständigen Neugründung muss das Unter­nehmen nicht erst am Markt etabliert werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Übernahme automatisch einfacher ist. Vor einer Entscheidung sollte genau geprüft werden, wie wirt­schaft­lich und zukunftsfähig das Unter­nehmen aufgestellt ist. Welche Investitionen stehen möglicherweise an? Wie stark hängt der Betrieb von der bisherigen Unter­nehmensleitung ab? Welche Ent­wick­lungsmöglichkeiten bietet der Markt? Und lässt sich ein Unter­nehmenswert bestimmen, der für beide Seiten tragfähig ist?

Bestehendes weiterentwickeln statt nur bewahren

Eine Unter­nehmensnachfolge bietet gleichzeitig viel Raum für eigene unternehmerische Ideen. Bestehende Prozesse können modernisiert oder digitalisiert, neue Produkte und Dienstleistungen entwickelt und zusätzliche Zielgruppen erschlossen werden. Auch ein über Jahre etabliertes Geschäftsmodell kann durch neue Perspektiven weiterentwickelt und auf zukünftige Anforderungen ausgerichtet werden.

Unter­nehmensnachfolge bedeutet daher nicht lediglich, das Bestehende unverändert fortzuführen. Sie kann vielmehr der Ausgangspunkt für eine neue Ent­wick­lungsphase sein und für Gründungsinteressierte eine Möglichkeit, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, ohne bei null beginnen zu müssen.

Weitere Zahlen und Hintergründe zur Unter­nehmensnachfolge finden Sie im DIHK-Unter­nehmensnachfolge-Report 2025 und im Nachfolge-Monitoring Mittelstand von KfW Research.

Für weitere Fragen und Anregungen stehen wir dir gerne zur Verfügung: 

Lilian Brys (E-Mail:lilian.brys@viersen.de | fon: 02162 101 247)