Das Besondere an dem freien Beruf des „Öffentlich bestellen Vermessungsingenieures“ ist, dass es sich – wie auch bei dem Beruf des Notars – um natürliche Personen handelt, denen der Staat hoheitliche Aufgaben überträgt, die sie im eigenen Namen wahrnehmen. Als ÖbVI ist Herbert Platzen damit eine Art Behörde im funktionalen Sinne. Dieser sehr nüchternen offiziellen Beschreibung steht die Realität im Berufsalltag positiv gegenüber, ist es doch eine anspruchsvolle und abwechslungsreiche Arbeit: „Wir arbeiten sowohl im Büro als auch im Freien, an vielen verschiedenen Einsatzorten, mit unterschiedlichen Herausforderungen und mit sehr vielen Kontakten zu Menschen, die eine Vermessungsleistung benötigen und die von uns beraten werden“ beschreibt es Herbert Platzen. Als Schnittstelle zwischen Bauherr, Architekt und Verwaltung ist Platzen seit 1985 überall rund um Viersen auf Baustellen und Grundstücken unterwegs. Doch egal wo, Vermessungsingenieure erledigen meistens den allerersten Arbeitsschritt überhaupt. Sie schaffen mit ihren Daten die Grundlage auf der Neues gebaut, Grundstücke markiert, Karten und Pläne gezeichnet oder Fragen rund um den Besitz geklärt werden können. Öffentlich bestellt führen sie darüber hinaus hoheitliche Vermessungen im Kataster durch und können Beurkundungen vornehmen oder Bescheinigungen ausstellen.
Gemessen an den eigenen Erfahrungen ein spannender Beruf
Angefangen hat die Leidenschaft für das exakte Vermessen der Welt bei Herbert Platzen schon mit der Wahl des Studienfaches Geodäsie. Geodäsie? Einfacher ausgedrückt handelt es sich um das Studium des Vermessungswesens. Nach einer Referendarzeit und einer Tätigkeit in einem Vermessungsbüro in Bergheim, hat sich Herbert Platzen im August 1985 als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in Viersen selbstständig gemacht. Zu den von ihm angebotenen hoheitlichen Leistungen gehören in erster Linie Grundstückseinteilungen, die Fertigung amtlicher Lagepläne als Bestandteil von Bauantragsunterlagen, Gebäudeeinmessungen, Grenzvermessungen und -bescheinigungen sowie die Beglaubigung von Anträgen zu grundstücksbezogenen Veränderungen. Dazu erbringt er auch rein ingenieurtechnische Leistungen. Darunter fallen beispielsweise Gebäudeabsteckungen, Bebauungspläne, nicht amtliche Lagepläne oder Straßen-, Kanal- und Topographische Vermessungen. In mehr als 30 Jahren hat das Büro Platzen unzählige Objekte, vom kleinen Einfamilienhaus über Wohnresidenzen und Wohnparks bis hin zu großen Altenheimen und ganzen Gewerbeansiedlungen durchgemessen. Vier bis fünf Mitarbeiter sind aktuell im Vermessungsbüro Platzen beschäftigt. Doch auch nach so vielen Jahren, die Herbert Platzen in seinem Beruf fest verwurzelt haben, erinnert er sich noch, dass gerade der Anfang mit ein wenig Hilfe leichter fällt. „Ich hatte ein bisschen mein eigenes Gewächshaus, da ich anfangs einen Büroraum überlassen bekam, für den ich keine Miete bezahlen musste. So konnte ich das Notwendige investieren und die Kosten niedrig halten“, erinnert er sich. Ebenfalls wichtig für den erfolgreichen Start, so Herbert Platzen weiter,„ist es, sich Bekanntheit zu verschaffen. Das geschieht in erster Linie durch möglichst gute und zuverlässige Arbeit. Daneben ist sicherlich der Umgang mit den Menschen ein wesentliches Kriterium. Hat man hier ein glückliches Händchen, wird der Erfolg dauerhaft sein.“
An diesen Erfolgsvoraussetzungen gemessen, lohnt es sich aus der Perspektive des Viersener ÖbVIs auch das Gewächshaus zu unterstützen. „Auf das Gewächshaus bin ich durch die Grundstücks-Marketing-Gesellschaft und die Wirtschaftsförderung der Stadt Viersen, durch Medienberichte und einen Freund, der dort selbst angefangen hat, aufmerksam geworden. Ich bin heute als Mitglied im Förderverein dabei, weil ich die Idee für toll halte.“ Abgesehen von den guten Bedingungen für junge Unternehmen, treibt ihn auch die Leidenschaft für diese Arbeit an, schließlich fällt die Wahl des Nachwuchses heute viel zu selten auf den Beruf des Vermessungsingenieurs. Die Folge: Im kommenden Jahrzehnt wird es sicherlich einProblem beim Auffangen von in den Ruhestand gehenden ÖbVIs geben.
