Den eigenen Weg gefunden

BeWo in Viersen

Die Sonne scheint durchs Fenster und ein junger Mann kocht sich in seiner ersten eigenen Wohnung eine Tasse Kaffee. Eine Frau betrachtete sich gelassen im Spiegel, bevor sie das Haus verlässt und zur Arbeit geht. Ein älterer Mann bereitet sich in aller Ruhe auf seine Besucher vor. Eigentlich ist nichts außergewöhnlich an diesen Szenen und doch ist es für genau diese Menschen und auch für Michaela Frentzen-Millhofer von der BeWo Viersen etwas ganz Besonderes.

Doch warum? Blicken wir etwas genauer hin: Der junge Mann, der gerade in seiner Wohnung Kaffee trinkt, leidet unter einer körperlichen Behinderung und kämpft mit einer Persönlichkeitsstörung. Die Frau, die ihre Haustüre hinter sich schließt, hat Probleme mit ihrem Essverhalten und gehört zu den sogenannten Grenzgängerinnen, eine psychische Krankheit, die als Borderline Erkrankung bezeichnet wird. Der alte Mann sitzt im Rollstuhl und kämpft mit einer besonderen Form der Amnesie. Drei Geschichten, drei Beispiele, wie die BeWo, ein Fachdienst für ambulant betreutes Wohnen in Viersen, Menschen auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben hilft.

Stärken und Ressourcen im Blick

Hinter der BeWo verbirgt sich eine ambulante psychosoziale Hilfe für Menschen mit psychischen, körperlichen, geistigen oder Abhängigkeitsbehinderungen. Ziel ist es immer, betroffenen Menschen ein selbstbestimmtes, selbstbewusstes und vor allem ein möglich eigenständiges Leben zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, gibt es allerdings keine fertigen Lösungskonzepte, die Frentzen-Millhofer aus der Schublade ziehen kann, dafür sind die Probleme und Schwierig­keiten der Betroffenen viel zu individuell. So wird mal die Hilfe im Haushalt organisiert, eine ärztliche Versorgung gesichert, die materielle Existenz auf gesunde Beine gestellt oder wie im Fall der jungen Frau, die heute die Kraft findet, entspannt in den Spiegel zu schauen mit psychischer Unterstützung am Aufbau eines positiven Selbstbildes gearbeitet. Therapien, Schulungen im Umgang mit Behörden, persönliche Beratungen und immer wieder das gemeinsame Beschreiten von Wegen, die aus der Einsamkeit führen, beispielsweise durch die Integration in Vereine, soziale An­ge­bote oder Gemeinden gehören auch dazu.: „Ich betrachte jeden, der unsere Hilfe in Anspruch nimmt als Einzelfall, und wähle dann aus einer Vielfalt von Hand­werkzeugen, die jeweils passenden aus. Dabei schaue ich weniger auf die Defizite der Menschen, sondern auf ihre Stärken und vorhandenen Ressourcen“, beschreibt Michaela Frentzen-Millhofer den Ansatz der BeWo, dessen stellvertretende Leiterin sie als Jung­unter­nehmerin am Standort in Viersen ist. „Eine sinnvolle Unterstützung gelingt nur, wenn ich zunächst eine echte und tragfähige Beziehung zu dem Menschen aufbaue und wir anschließend ein Stück des Weges gemeinsam gehen“, bekräftigt Frentzen-Millhofer.

Neues An­ge­bot einer ambulanten Wohngruppe etabliert

Sie selbst hat im Gewächs­haus für Jung­unter­nehmen ihren eigenen Weg bereits vor zwei Jahren gefunden und führt heute von dort das Büro der BeWo in Viersen. Nach einer Ausbildung zur Bürokauffrau entschloss sich die heutige stellvertretende Leiterin, die Fachhochschule für Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit zu besuchen. Nach 25 Jahren Arbeit in den unterschiedlichen Feldern der Jugendarbeit wechselte sie vor über 5 Jahren in den Bereich der ambulanten Betreuung. Weiterbildungen zum NLP Practitioner, Gesundheitsberater und als Coach runden ihre Kompetenz ab. In Viersen möchte sie sich und das An­ge­bot der BeWo fest etablieren und so möglichst vielen Menschen helfen ebenfalls ihren Weg zu finden. Ganz neu hinzugekommen ist dafür auch das zusätzliche An­ge­bot einer ambulant betreuten Wohngruppe, eine Alternative für Menschen, die sonst bereits in stationären Einrichtungen leben müssten. Durch die günstige Miete der Büros im Gewächs­haus konnte sich die BeWo in Viersen Frentzen-Millhofer einen langen Atem leisten und die schwierige Phase des „Fuß fassen“ durchstehen. „Wir mussten vor allem zunächst Kontakte zu den gesetzlichen Betreuern und weiteren Hilfeleistern wie z. B. der KokoBe aufbauen, bevor wir überhaupt mit Klienten arbeiten konnten. Neue Kontakte im sozialen Bereich zu knüpfen, gehört auch heute noch zu den größten Herausforderungen für uns, aber mit Geduld, Zuversicht und dem festen Glauben an unsere Idee blicke ich optimistisch in die Zukunft.“